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Diabetes

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Gliederung:

1. Diabeteserkrankung
1.1. Diabetestypen
1.2. Symptomatik und Diagnostik

2. Diabetesfolgen
2.1. Makroangiopathie
2.2. Mikroangiopathie
2.3. Hautveränderungen

3. Diätetische und medikamentöse Beeinflußung des Diabetes - welche Therapie ist notwendig?

1. Einleitung: Was ist Diabetes mellitus?

Der Diabetes mellitus ist die häufigste und zugleich bedeutsamste Stoffwechselstörung. In Deutschland sind davon etwa 5% der Bevölkerung betroffen. Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine Erkrankung, die durch einen Insulinmangel und/oder Insulinresistenz gekennzeichnet ist, mit der Folge eines erhöhten Blutzuckerspiegels.

1.1. Diabetestypen:

Bei den zwei Hauptformen des Diabetes mellitus existieren grundsätzlich unterschiedliche Verlaufsformen:

Typ 1-Diabetes:

Der Typ 1-Diabetes (früher juveniler-jugendlicher Diabetes) ist durch vollständigen Ausfall der körpereigenen Insulinproduktion gekennzeichnet. Eine Insulinsubstitution ist unumgänglich (sog. insulinabhängiger Diabetes). Ursache für Typ 1, nach heutigem Verständnis, ist eine Autoimmunerkrankung ( z.B. vorhergegangene Virusinfektion), die genetisch mitbedingt ist. Als Folge der Autoimmunerkrankung kommt es zur Zerstörung von Inselzellen der Bauchspeicheldrüse und zum Fehlen von Insulin.

Typ 2-Diabetes:

In Deutschland gehören etwa 95% der Diabetiker zum Typ 2, wobei in den letzten Jahren eine Zunahme der Häufigkeit zu beobachten ist. Die Manifestation erfolgt meistens - aber nicht immer - nach dem 40. Lebensjahr. Deshalb wurde diese Form früher als Altersdiabetes bezeichnet. Die Veranlagung, an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken, ist von hoher Erblichkeit. Die Entwicklung wird ausgelöst und beschleunigt, wenn andere Risikofaktoren, wie Übergewicht und Bewegungsmangel, hinzukommen.

An der Entstehung beider Diabetesformen sind genetische Faktoren und Umwelteinflüsse beteiligt.

Problem: unerkannter Typ 2-Diabetes

Aufgrund der schleichenden Entwicklung des zweiten Types fehlen meist die für den Typ 1 charakteristischen Symptome: oft zeigen sich lediglich Störungen des Allgemeinbefindens:

  • erhebliche Infektanfälligkeit
  • Juckreiz
  • leichte Ermüdbarkeit
  • Schwindel

Die Diagnose eines Typ 2-Diabetes wird häufig erst nach jahrelangem Verlauf eher zufällig gestellt. Zu diesem Zeitpunkt können sich allerdings bereits erhebliche Folgeschäden ausgebildet haben.

1.2. Symptomatik und Diagnostik:

Typische Symptome eines bestehenden Diabetes mellitus sind starker Durst, verbunden mit häufigem Wasserlassen (Polyurie), von vielen Patienten erst durch die zahlreichen nächtlichen Gänge zur Toilette bemerkt (Nykturie). Es kommt zu einer zunehmenden Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit mit Müdigkeit, Mattigkeit und Apathie. Auffällig ist weiter eine allgemeine Infektanfälligkeit mit besonderer Neigung zu Haut- und Schleimhautaffektionen (Mykosis, Furunkulose, Vulvitis). Fast nie fehlt heftiger Juckreiz (Pruritus). Oft entwickelt sich ein Diabetes mellitus auch so schleichend und langsam, daß vom Patienten keine sonderlichen Symptome verspürt werden und die Entdeckung zufällig erfolgt (z.B. bei routinemäßiger Urinanalyse anläßlich einer Einstellungsuntersuchung).

Symptome:

    Durst
  • Polyurie - Nykturie
  • Gewichtsverlust
  • Heißhunger
  • Adynamie
  • Potenzstörungen, Amenorrhoe
  • Allgemeine Infektionsanfälligkeit mit besonderer Neigung zu Hautinfektionen ( Vulvitus, Balanitis)
  • Sehstörungen
  • Schwindel, Kopfschmerz
  • "Neuritische" Schmerzen (Ischias, Paraesthesien)
  • Pruritus

Mit der Selbstkontrolle überprüft der Betroffene die aktuelle Situation in den folgenden Bereichen:

  1. Stoffwechsellage (Blutzucker, Harnzucker, bei Bedarf Ketonkörper)
  2. Blutdruck (bei Hypertonie und Folgeerkrankungen unverzichtbar)
  3. Gewicht (bei Adipositas öfter als bei Normalgewicht)
  4. Zustand der Füße (nur bei Kindern und Jugendlichen entbehrlich)

2. Diabetesfolgen - Komplikationen des Diabetes:

Mehr als die Hälfte aller in Deutschland lebenden Diabetiker sind von diabetesbedingten Folgeerkrankungen betroffen. Ein konsequent behandelter Diabetes mit Blutzuckerwerten möglichst im Normbereich, ist der beste Schutz vor Folgeerkrankungen. Die häufigsten diabetesbedingten Folgeschäden sind:
Bei der schwersten Form der akuten diabetischen Stoffwechselentgleisung, dem Coma diabeticum, besteht eine extreme Glukoseverwertungsstörung (Hyperglykämie). Unbehandelt führt die veränderte Stoffwechsellage zu Ketoacidose und erheblichem Wasser- und Elektrolytverlust. Umgekehrt kann bei der Injektion von zuviel Insulin ein lebensbedrohlicher hypoglykämischer Schock auftreten.

  • massive Arteriosklerose
  • mikroangiopathische Veränderungen - insbesondere an Auge und Niere
  • Nervenveränderungen

2.1. Makroangiopathie durch vorzeitige und verstärkte Arteriosklerose, dadurch vermehrt

  • koronare Herzerkrankung
  • periphere arterielle Verschlußkrankheit
  • zerebrovaskuläre Insuffizienz

2.2. Mikroangiopathie:

  • Retinopathie und andere Augenveränderungen
  • Nephropathie
  • Nervopathie
  • Hauterkrankungen unterschiedlicher Natur (Ekzeme, Infektionen mit Bakterien und Pilzen) fördernder Faktor ist hier, vor allem bei Typ 2-Diabetes, das häufig zu beobachtende Übergewicht

3. Diätetische und medikamentöse Beeinflußung des Diabetes - welche Therapie ist notwendig?

Ernährung und Bewegung:

Die Bedeutung von Ernährung und Bewegung in der Therapie hängt ab von der Diabetesform. Wichtig ist, daß der Betroffene die Bedeutung der Ernährung versteht und daß sie für ihn praktikabel ist. Zu beachten sind:

  • persönliche Wünsche und Gewohnheiten
  • Möglichkeiten des Einkaufs und der Zubereitung
  • Alternativangebote für ungeeignete Lebensmittel
  • ethnische Besonderheiten

Was ist gesunde Ernährung?

Generell gilt, daß die bei Diabetes sinnvolle Kost auch für Menschen ohne Diabetes ideal ist. Eine Einschränkung der Energieaufnahme ist nur bei Übergewicht notwendig (s. u.). Im Hinblick auf die Nährstoffrelation gelten die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Gesunde und Diabetiker gleichermaßen:

  • Kohlenhydrate mind. 50-55%
  • Protein (Eiweiß) max. 15- 20%
  • Fett max. 30-35%

Der niedrige Anteil von Fett und Eiweiß ist im Hinblick auf Blutfettwerte und die Nierenbelastung von Bedeutung. Komplexe Kohlenhydrate, vor allem Ballaststoffe, sollten reichlich verzehrt werden.

Streitpunkt Haushaltszucker:

Inzwischen hat sich das früher übliche Verbot von Haushaltszucker als unberechtigt erwiesen. Der Gebrauch wird sich unter Berücksichtigung der in der Tabelle aufgeführten Richtlinien nicht ungünstig auswirken. Zuckeraustauschstoffe (Fruktose, Sorbit, Xylit, Mannit, Isomalt, etc.) bringen zudem kalorisch einen nur geringen oder gar keinen Vorteil. Sie verführen dagegen zu der gefährlichen Annahme, daß die zudem meist besonders fettreichen Diätprodukte in unbegrenzten Mengen genossen werden können. Der Einsatz von kalorienarmen Süßstoffen (Saccharin, Cyclamat, Aspartam, Acesulfam K, etc.) ist dagegen weiterhin und vor allem in Getränken sinnvoll.

Haushaltszucker im Rahmen der Diabetesdiät
  • maximal bis zu 10% der täglichen Kalorien
  • Verteilung auf mehrere Portionen
  • nur in "verpackter" Form, z.B. in Kuchen, Schokolade, Milcheis...

Leichter rechnen mit Austauscheinheiten:

Um die Berechnung von Kohlenhydraten im täglichen Speiseplan zu erleichtern, werden Austauscheinheiten verwendet. In den alten Bundesländern und in Österreich ist die Broteinheit - abgekürzt BE (1BE = 12 Gramm Kohlenhydrate) - nach der Diätverordnung etabliert. International und in den neuen Bundesländern wird dagegen überwiegend mit der Kohlenhydrateinheit KHE (1 KHE = 10 Gramm Kohlenhydrate) gerechnet. Da der Kohlenhydratgehalt eines Lebensmittels jedoch um 20 - 30% schwanken kann, empfiehlt der Ausschuß "Ernährung" der Deutschen Diabetes- Gesellschaft, BE und KHE gleichwertig und lediglich als Schätzgröße (10-12 Gramm Kohlenhydrate) zu verwenden.

Ernährung und Bewegung bei Typ 1-Diabetes:

Betroffene ohne Übergewicht brauchen keine energiereduzierende Kost. Je nach Insulintherapie kann eine feste Verteilung der Kohlenhydrate über den Tag erforderlich sein. In konventionellen Verfahren mit nur 1 oder 2 Injektionen täglich richtet sich die Nahrungsverteilung nach der Wirkung des gespritzten Insulins; mehrere Zwischenmahlzeiten sind nur zur Vermeidung von Unterzuckerung unverzichtbar.

Wie sieht es mit Alkohol aus?

Es besteht kein Grund, Alkohol in vernünftigen Mengen ( z.B. 1 bis 2 Glas Wein) zu verbieten, sofern kein Übergewicht oder medizinische Kontraindikationen (Lebererkrankungen, Neuropathien) bestehen. Zu berücksichtigen ist allerdings die vom Alkohol ausgehende blutzuckersenkende Wirkung, da während des Alkoholabbaus in der Leber die Glukoneogenese eingeschränkt ist. Dies bedeutet, dass über einen längeren Zeitraum die Gefahr einer Unterzuckerung besteht, vor allem nachts. Dem vorbeugen kann man durch die gleichzeitige Aufnahme lang wirkender Kohlenhydrate und nächtliche Blutzuckerbestimmungen.

Sport nach Lust und Laune:

Bewegung wird nicht als therapeutisches Mittel eingesetzt. Vielmehr sollte es jedem Betroffenen möglich sein, die Sportart auszuführen, die seinen Interessen entspricht, indem er Insulin und Ernährung entsprechend anpaßt.

Ernährung bei Typ 2-Diabetes:

Von zentraler Bedeutung bei der Therapie des Typ 2-Diabetes sind eine unterkalorische Ernährung und eine gezielte Bewegungstherapie. Beide Maßnahmen sollen eine Senkung der Insulinresistenz bewirken und sind bereits bei mäßigem Übergewicht ( siehe Tabelle) sinnvoll. Das Abnehmen sollte langfristig, nicht als Crash-Diät, geplant werden. Mit einer mäßig kalorienreduzierten Diät (Energiezufuhr 500 bis 1000 Kilokalorien pro Tag unter dem Bedarf [Tabelle]) kann man pro Woche ein halbes bis ein Kilo abnehmen.

Normal- oder Übergewicht?
BMI= Körpergewicht in (kg) / (Körpergröße)² in (m²)
BMI bis 25 kg/ m² normalgewichtig
BMI 25 - 30 kg/m² mäßiges Übergewicht
BMI über 30 kg/m² starkes Übergewicht

Mittlerer Energiebedarf (kcal/Tag)
(bei vorwiegend sitzender Tätigkeit)
Alter Männer: Frauen:
19 - 35 Jahre 2600 2200
36 - 50 Jahre 2400 2000
51 - 65 Jahre 2200 1800
über 65 Jahre 1900 1700

Bewegung ist Therapie:

Bewegung senkt die Insulinresistenz und erleichtert das Abnehmen. Wichtig sind Ausdauer und Regelmäßigkeit, nicht Höchstleistungen. Das heißt, man sollte sich 3 - bis 4 mal die Woche mindestens eine halbe Stunde aufraffen.

Welche Tätigkeiten sind sinnvoll?

Vor Beginn vermehrter körperlicher Betätigung steht eine gründliche ärztliche Untersuchung, um Komplikationen durch Begleit- und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Einschränkend können beispielsweise Herz-Kreislaufprobleme oder das diabetische Fußsyndrom sein. Doch auch dann sind leichte Betätigungen wie Spazierengehen oder Bowling meist noch möglich (siehe Tabelle).

Energieverbrauch pro 30 Minuten Bewegung
Sportart: Energie:
Bowling 100 kcal
Spaziergang 110 kcal
Gartenarbeit 220 kcal
Tanzen 220 kcal
Volleyball 220 kcal
Gymnastik 230 kcal
Schwimmen 260 kcal
Tischtennis 260 kcal
Tennis 280 kcal
Radfahren 300 kcal

Als besonders hilfreich hat sich immer wieder die Empfehlung erwiesen, einen Hund anzuschaffen. Damit sind für die nächsten Jahre Spaziergänge bei jedem Wind und Wetter unausweichlich. Ein herrenloses Tier kann auf diese Weise ein neues Zuhause finden, der Betroffene selbst übernimmt mit der Pflege des Tieres eine sinnvolle Aufgabe und findet vielleicht sogar wieder einen Lebensinhalt.

Medikation:

Basismaßnahmen bei allen medikamentösen Therapien:

  • Erhöhung und Bewegung zur Gewichtsreduktion
  • Behandlung von Begleiterkrankungen

Für die orale Medikation werden die folgenden Medikamentengruppen eingesetzt, wobei das Schlagwort ABS- System eine häufig praktizierte Reihenfolge erkennen läßt.

A = Alpha- Glukosidasehemmer
B = Biguanide
S = Sulfonylharnstoffe

Für die medikamentöse Therapie des Typ 2-Diabetes wird ein wie in der Abbildung dargestelltes Schema empfohlen. Es soll nicht als starrer Stufenplan verstanden werden, sondern es müssen immer die individuellen Gegebenheiten jedes Patienten berücksichtigt werden.,